Mayrhofen Magazin

Z’Neunang, ein Brunch mit Zillertaler Dialekt

Erwin Aschenwald, ein Zillertaler Original, spricht über Menschen, Musik und Mundart. Wie jeder lebenden Legende eilt auch Erwin Aschenwald sein Ruf voraus. Er ist Leadsänger der Volksmusikgruppe „Die Mayrhofner“. Ein intellektueller Querdenker, ein Zillertaler Original, ein Musiker aus Leidenschaft. Ein Bodenständiger, der mit Ho-Ruck um die Welt flog. Einer, der tief verwurzelt ist und trotzdem unbändig blieb, genau wie sein zum Markenzeichen gewordener Schnauzbart und der Zillertaler Dialekt.

 

Zillertaler Dialekt

Der Ratzna (Schnauzbart) als Markenzeichen
Foto: Socialweb

Socialweb: Erwin, wie kommt es, dass du dir deinen Zillertaler Dialekt trotz deiner vielen Reisen so gut bewahrt hast?

Erwin Aschenwald: Ich glaube, das kommt aus meiner Jugend. Ich habe damals in den Sommerferien immer alleine eine Hochalm bewirtschaftet. Da habe ich schnell gelernt selbstständig zu arbeiten, aber auch zu denken, ohne mich nach den Launen anderer zu richten. Vermutlich ist das auch ein Grund, warum ich der Natur, aber auch den alten Traditionen und Liedern, stärker verbunden blieb. Zugleich habe ich mich am Sonntag immer sehr gefreut, wenn ich ins Tal gehen konnte um ein, zwei Stunden mit meiner Mutter zu verbringen. Da habe ich gelernt, den Kontakt zu geliebten Menschen als Geschenk zu betrachten. Ich könnte mir sogar vorstellen, die Möglichkeit sich zu verständigen und mit seinen Mitmenschen zu verbinden, sei ein Grundbedürfnis der Menschen. Es gibt da eine tiefe Verbindung zwischen dem Zillertal, seinen Bewohnern und seiner ursprünglichen Sprache und seiner Musik und das wollte ich mit meinen Liedern auch widerspiegeln. Eines unserer Alben heißt zum Beispiel „Hooo-Ruck“. Beim Holzarbeiten war das das Kommando bei dem alle zugleich an einem Strang zogen, um einen gefällten Baum zu bewegen. Da kommt alles zusammen: Der starke Wille, der Zusammenhalt unter Menschen und die gemeinsame Sprache. Und grad das macht das Zillertal aus, dass wir alle miteinander verbunden sind: Die Bauern, die Wirte, die Touristen und auch die Musiker.

SW: Was macht den Zillertaler Dialekt so besonders und wie hebt sie sich zum Beispiel von der Mundart des angrenzenden Unterinntales ab?

Zillertaler Dialekt

„Hooo Ruck!“ Der traditionelle Ausruf der Holzarbeiter wird zur Musik.
Foto: Socialweb

Erwin: Ich habe auf meine Reisen viel darüber nachgedacht, wie die Umwelt den Menschen und seine Mentalität formt. Der Mensch wiederum formt seine Sprache und die Sprache formt seine Musik. Jetzt schau ich mir das Zillertal an, ein schmales aber fruchtbares Tal zwischen zackigen Bergen, durch das ein wilder Fluss fließt. Das Unterinntal dagegen ist breit und der Inn schlängelt sich vergleichsweise gemütlich dahin. Draußen im Unterinntal ist auch die Sprache gemütlicher. Deshalb gibt’s dort ein gemütliches Bussale, aber von den Zillertalern gibt’s ein resches Bussal. Schon verschieden, aber schön und edel ist es beide Male. Da gibt es kein besser oder schlechter und so ist es auch mit den Sprachen.
SW: Hat sich der Zillertaler Dialekt seit deiner Jugend verändert und kann der Zillertaler Dialekt in der heutigen Zeit überleben?

Erwin: Der Zillertaler Dialekt wird überleben solange es Originale gibt, die sie sprechen und manche Begriffe werden sich bestimmt noch viele Jahre halten. Natürlich hat der Tourismus die Sprache verändert. Das ist das Grundbedürfnis des Menschen, sich zu verständigen, aber auch verstanden zu werden. Das Hochdeutsch ist da sicher hilfreich. Aber die Sprache hat sich schon immer verändert. Früher waren die Menschen weniger mobil, aber schon damals gab es Reisende: Händler, Soldaten und Musiker. Und die brachten neue Wörter ins Tal. Die Sprache hat sich schon immer verändert, weil sie etwas Gewachsenes ist das sich nur sehr ungern reglementieren lässt. Das wurde auch bei der Volksmusik versucht, aber es muss immer auch Raum für das Spontane bleiben, sonst wäre das so als ob man einer Kuh zum Almabtrieb eine Krawatte umhängt. Trotzdem oder gerade deshalb ist die Mundart ein wichtiger Teil unserer Kultur und sollte auch bewahrt werden. Es ist schön und edel sich anderen verständlich zu machen aber man soll trotzdem seine Ursprünglichkeit bewahren und seine Wurzeln nicht vergessen.

Zum Abschluss noch ein paar besonders schöne Dialektbegriffe aus dem Zillertal, gesprochen und erklärt von Erwin Aschenwald:

Podcast

„Nar eicha ban Löch“ (Grüss Gott und Herzlich Willkommen)

„Trischibl“ (Türschwelle)

„Ratzna“ (Schnurrbart)

„Triebl“ (Nudelholz)

„Merhe“ (Karotte)

„Entn a dr’uanate“ (am anderen Ufer des Baches d.h. des Ziller)

„Ganz vanorrt a de Gsellin“ (ganz verliebt in ein Mädel)

„Pfiat enk und etz mehr ausn ban Löch“ (Tschüss und ab die Post)

 

Elisabeth Kröll
Gast Autor: Elisabeth Kröll
Biographie: Als eine waschechte Mayrhofnerin kann ich mich ruhigen Gewissens bezeichnen, denn ich bin in Mayrhofen im Zillertal geboren und aufgewachsen und bin meiner Heimat bis auf ein paar Ausnahmen immer treu geblieben. Es zieht mich eben immer an die schönsten Plätze dieser Welt und da ist Mayrhofen auf Platz 1. Durch meine Leidenschaft, den Umgang mit Menschen aus allen Himmelsrichtungen dieser Erde, meine EN Weltoffenheit und meine fröhliche Art war es die natürlichste Sache der Welt, dass ich mein berufliches Leben dem Tourismus widme. In meiner bescheidenen Freizeit liebe ich es, inmitten der Zillertaler Bergwelt durch die Gegend zu kraxeln, im Winter erobere ich freilich die traumhaften Pisten bei uns und genieße die Kultur in jeglicher Hinsicht im Zillertal. Ich hoffe, dass euch meine Storys gefallen, eure Neugier auf die Region Mayrhofen-Hippach wächst und ihr fleißig meine Blogbeiträge liked, teilt und kommentiert! Eure Elisabeth
Land: Österreich
Was mag ich: meine Heimat, Musik, Bergsteigen, Klettern, Kunst, Skifahren, Reisen,...

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