Mayrhofen Magazin

Floitenschlagstaude: Tirols berühmteste Wildschützin

Einblick in das Leben von Elisabeth Lackner

Es war ein hartes Leben, das Elisabeth Lackner – in Tirol besser bekannt als Floitenschlagstaude – von 1845 bis 1921 führte. Die tägliche illegale Jagd war für sie kein Vergnügen, es ging ums nackte Überleben ihrer gesamten Familie. Ihr zu Ehren schrieb die Leiterin der Mayrhofner Volksbühne ein Theaterstück, das die Floitenschlagstaude in ein anderes Licht rückte. Der Erfolg spricht für sich: Die 14 Aufführungen waren jedes bis auf den letzten Platz ausverkauft!

Floitenschlagstaude

Die Floitenschlag-Hütte auf 1.436m. Das Gebäude ist im Originalzustand. An der Hütte vorbei führt der Weg zur Wandegg.

So kam die Floitenschlagstaude zu ihrem Namen

Unter ihrem bürgerlichen Namen kennen sie die wenigsten, hatte die dunkelhaarige Schönheit, Elisabeth Lackner, doch einen viel einprägsameren Spitznamen: Floitenschlagstaude. Obwohl sie knochendürr war, war ihr Kampfgeist in allen Situationen vollstens ausgeprägt. Inmitten des steilen Geländes auf 1.436 Metern Seehöhe stand einst die Hütte (das „Hoamatl“) der schlanken, großen Frau. So beschwerlich wie der Weg zu ihrer Hütte, so beschwerlich war auch ihr Leben.

Floitenschlagstaude

Josef Lackner, einer der überlebenden Kinder der Staude

Ein Leben geprägt von Schicksalsschlägen

Drei ihrer insgesamt neun Kinder starben an Diphterie, eines wurde von der Ferkelsau gefressen, als es aus der Wiege flog, ein Knabe stürzte ab und ein weiterer starb an einer unbekannten Seuche. Auch ihr Mann starb früh, wodurch die Floitenschlagstaude mit ihren Kindern auf sich allein gestellt war. Einfallsreichtum war gefragt: Wer rund um die Hütte Futter am Boden verstreut, kann Gämse vom Fensterbrett erlegen – entsprechende Zielsicherheit vorausgesetzt.

Floitenschlagstaude

Der beschwerliche Aufstieg zur Floitenschlaghütte.

Mit dem Papa auf der Jagd

Gut, dass Elisabeth Lackner das Waidwerk schon als kleines Mädchen von ihrem Vater gelernt hatte. Das jüngste von acht Kindern lernte dabei sicher so manchen Trick, wie man sich bei der illegalen Pirsch nicht erwischen lässt. „Besser als ein leerer Magen und hungrige Kinder“, mag sie sich gedacht haben, als sie diese Opfer brachte. Ihren Stolz verlor sie nie.

Theaterstück über das Leben der Floitenschlagstaude

Gegen den Hunger mag die Wilderei sinnvoll gewesen sein, doch eines brachte sie ihr nicht ein: Ansehen. Gerne wird vergessen, dass es der Staude nicht ums Jagdvergnügen, sondern primär ums nackte Überleben ging. Martina Schwemberger, die Leiterin der Mayrhofner Volksbühne, schrieb ein Theaterstück, in dem sie die Floitenschlagstaude in ein anderes Licht rückte: „Mir was es wichtig zu zeigen, wieso diese Frau so gehandelt hat. Das Leben hat sie zu einer harten Frau gemacht, sie konnte gar nicht anders.“

Floitenschlagstaude

Autorin und Hauptdarstellerin Martina Schwemberger mit ihrem Bruder Josef Thanner

Martina Schwemberger in der Hauptrolle

Das Stück wurde im Sommer 2008 14 Mal unter freiem Himmel nahe dem Originalschauplatz aufgeführt. Jedes Mal waren die 300 Karten restlos ausverkauft. Martina Schwemberger spielte die Hauptrolle: „Das war der Höhepunkt meiner Schauspielkarriere, ich habe mich so gut in Elisabeth Lackner hineinfühlen können“, schwärmt die Mayrhofnerin. Auf die Frage, was man von der Floitenschlagstaude lernen kann, meint sie: „Dass man nicht gleich das Handtuch wirft, wenn etwas nicht so läuft, wie man es sich vorstellt. Ich bewundere die Staude dafür, dass sie nie aufgegeben hat. Sie war durch und durch eine Kämpferin“.

Den Kampf gegen ein Magenleiden hat die Floitenschlagstaude schlussendlich nicht gewonnen: Sie starb als einsame und verarmte Frau. Ihr Gewehr hat man übrigens bis heute nicht gefunden, so geschickt hatte sie es versteckt.

Fortsetzung der Saga

Martina Schwemberger hat nun die Fortsetzung der Floitenschlagstaude geschrieben. Im Fokus steht im Stück nun der Sohn der Staude, Franz Lackner. Wie er als Kind dieses beschwerliche Leben erleben musste, wird im Sommer 2018 im Bergsteigerdorf Ginzling gezeigt. Das Stück wird „Die Staudenkinder“ heißen. Wir können also schon gespannt sein!

Das Buch und die DVD „Floitenschlagstaude“ sind im Tourismusverband Mayrhofen-Hippach erhältlich!
Summary
Article Name
Floitenschlagstaude: Das Leben der Elisabeth Lackner aus Tirol
Description
Sie war eine Überlebenskünstlerin: Elisabeth Lackner, besser bekannt unter Floitenschlagstaude kämpfte um das Leben ihrer neun Kinder. So lange, bis sie selbst einer Krankheit erlag.
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Kommentare

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  • ich habe es noch nicht gesehen hätte interesse

    poellsteinhof@aon.at' angela 12. Juni 2017 19:26 Antworten

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