Mayrhofen Magazin

Schlegeis131-Klettersteig: Interview mit dem Erbauer

Erbauer des Schlegeis131

Alfons Hörhager leitet den Salewa Mountain Store in Mayrhofen, ist Mitglied der Bergrettung und hat mehrere Klettersteige selbst angelegt. Warum jener auf der Staumauer in Schlegeis dennoch ein besonderes Projekt für ihn war, erzählt er im Interview.

Was war zuerst da: Die Idee für einen neuen Klettersteig in Mayrhofen oder der Wille, die Staumauer zu einem besonderen Projekt zu machen?

Das Thema mit dem Klettersteig in der Staumauer existiert seit gut acht Jahren. Als der Tourismusverband dieses Jahr mit dem Eigentümer der Staumauer, dem Verbund, die Gespräche aufnahm, hieß es bald: Wir können loslegen! Und das haben wir gleich gemacht.

Wer sind die Initiatoren des Projekts?

Die Idee stammt vom Extrembergsteiger Luggi Rieser aus dem Zillertal, der schon vor etwa zehn Jahren den Anstoß dazu gab.
Erneut aufgegriffen und schließlich umgesetzt wurde das Thema dann von Andreas Hundsbichler vom Tourismusverband, einem Vertreter vom Verbund und mir.

Wie sah die Umsetzung aus?

Insgesamt waren fünf Bergführer am Werk. Die meiste Zeit entfiel auf die Arbeit an der Wand. Wir hatten zwei Bohrer und mich als Kleber. Das war ein eingespieltes Team, weil wir auch schon den Klettersteig in Zimmereben angelegt haben. In 14 Tagen war der Klettersteig fertig – jeden Tag von sieben Uhr morgens bis zehn Uhr abends.

Hattet ihr die Route schon davor im Kopf?

Ja, wir waren gut darauf vorbereitet und haben oft analysiert, wie wir den Steig auf die Mauer setzen könnten. Wichtig war für uns nicht die Schwierigkeit, sondern der Fokus auf die Höhe. Der Großteil des Routenverlaufs führt über den nicht überhängenden Teil der Staumauer. Das haben wir bewusst so gewählt, um den Steig für viele zugänglich zu machen, inklusive vielen Tritten und Griffen.

Wo steigt man ein bzw. aus?

Ausgangspunkt für den Schlegeis131 ist die Hütte neben dem Ein- bzw. Ausstieg am Ende des Staudamms. Dort findet man auch den Verleih. Ein kurzer Fußmarsch mit wenigen Minuten bergab führt einen direkt zum Fuße des Klettersteigs und zum Einstieg. Der Ausstieg ist direkt oben auf der Staumauer.

In welchen Schwierigkeitsgraden liegt der Schlegeis131?

Die normale Route liegt im Bereich A/B. Der zusätzliche optionale Ausstieg – für alle, die es etwas schwieriger wollen – führt länger senkrecht nach oben im überhängenden Bereich und ist als Schwierigkeit C gekennzeichnet. Den zweiten Ausstieg haben wir nach der Erstbegehung angelegt, um anspruchsvolleren Alpinisten einen zusätzlichen Kick zu verschaffen.

Woher der Name, Schlegeis131?

Der Name stammt von der Höhe der Staumauer. An ihrer höchsten Stelle misst die Mauer 131 Meter.

Wie viele Löcher und Tritte habt ihr in die Wand getrieben?

Ungefähr 1.400 Löcher wurden für die Tritte aus legiertem Stahl und die Seile in die Wand gebohrt. Für die nötige Festigung sorgt ein gefrierresistenter Spezialkleber.

Löcher bohren ist nicht das Erste, was einem zu einer Staumauer einfällt. Gab es keine Bedenken bezüglich der Sicherheit?

Die Staumauer ist an der stärksten Stelle 45 Meter tief. Im oberen Bereich sind es noch 30 Meter. Und wir bohren 20 Zentimeter. Das macht von der Statik her überhaupt nichts aus.

Ist der Klettersteig auch ein Kind einer Entwicklung, die im Klettersteiggehen aktuell stattfindet, mit Trends in allen Richtungen?

Die Idee ist ja schon etwas älter und hat hier in Ginzling einfach gut reingepasst. Sowohl für den Tourismusverband, als auch für den Verbund ist das eine gute Möglichkeit sich zu präsentieren und das Angebot der Region auszuweiten. Für die Besucher ist das eine tolle Sache.

Wie geht es weiter an der Staumauer, sind noch mehr Projekte geplant?

Ja! Für Kinder wird es schon bald einen eigenen Kinderklettersteig geben. Außerdem wird an der höchsten Stelle des Damms eine Plattform installiert, wo man einerseits die Aussicht genießen und sich andererseits abseilen lassen kann. Das ist auch eine interessante Kombination für den Klettersteig. Die Plattform wird Ende Juli kommen. Angedacht ist außerdem eine Sportkletterroute.

Welche Gefahrenquellen gibt es bei der Begehung?

Wirklich Acht geben sollte man auf das Wetter. Durch die Exponiertheit ist man einem Gewitter natürlich stärker ausgeliefert als bei einem gewöhnlichen Klettersteig, der vielleicht Schutz unter einem Baum bietet. Darum ist es umso wichtiger, sich an eventuelle Sperren zu halten!

Wann ist der Klettersteig geöffnet?

Der Klettersteig ist ab jetzt geöffnet und begehbar. Es gibt keine fixen Öffnungszeiten, sondern nur Sperrzeiten. Und die sind von Umbauten oder dem Wetter abhängig. Saisonbedingt hängt die Öffnung von der Zufahrtsstraße ab, die ab Ende Oktober gesperrt ist.

Gibt es irgendwelche besonderen Vorzüge für die Sportler?

Durch eine Kooperation mit dem Verbund wird ein Teil der Maut, die man für die Zufahrtsstraße entrichtet, bei der Buchung einer Klettersteigtour oder bei Inanspruchnahme des Verleihs zurückerstattet.

Welche Art von Sportler spricht der Klettersteig an?

Jeden! Am Anfang wird der Schlegeis131 vor allem eine Attraktion sein, die man einmal gesehen haben will. Später kann ich mir vorstellen, dass er für Trainingszwecke genutzt wird. Man kommt ja sehr schnell wieder zum Start. Außerdem lässt es sich gut mit einer Wanderung, etwa auf die Olperer Hütte, verbinden. Der Parkplatz befindet sich gleich neben dem Zustieg.

Schlegeis131

Atemberaubende Kulisse am Schlegeis131.

Fakten zum Klettersteig

Länge: 200 m
Dauer: ca. 20 Minuten
Höhenmeter: 131
Dauer Zustieg: ca. 5 Minuten
Ausstieg: direkt an der Staumauer am Parkplatz
Schwierigkeitsgrad: A/B bzw. Alternativ-Ausstieg mit C

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Interview mit Schlegeis131-Klettersteig Erbauer
Description
Interessante Daten, Fakten und Details gibt es im Interview mit Schlegeis131-Klettersteig-Erbauer Alfons Hörhager.
Elisabeth Kröll
Gast Autor: Elisabeth Kröll
Biographie: Als eine waschechte Mayrhofnerin kann ich mich ruhigen Gewissens bezeichnen, denn ich bin in Mayrhofen im Zillertal geboren und aufgewachsen und bin meiner Heimat bis auf ein paar Ausnahmen immer treu geblieben. Es zieht mich eben immer an die schönsten Plätze dieser Welt und da ist Mayrhofen auf Platz 1. Durch meine Leidenschaft, den Umgang mit Menschen aus allen Himmelsrichtungen dieser Erde, meine EN Weltoffenheit und meine fröhliche Art war es die natürlichste Sache der Welt, dass ich mein berufliches Leben dem Tourismus widme. In meiner bescheidenen Freizeit liebe ich es, inmitten der Zillertaler Bergwelt durch die Gegend zu kraxeln, im Winter erobere ich freilich die traumhaften Pisten bei uns und genieße die Kultur in jeglicher Hinsicht im Zillertal. Ich hoffe, dass euch meine Storys gefallen, eure Neugier auf die Region Mayrhofen-Hippach wächst und ihr fleißig meine Blogbeiträge liked, teilt und kommentiert! Eure Elisabeth
Land: Österreich
Was mag ich: meine Heimat, Musik, Bergsteigen, Klettern, Kunst, Skifahren, Reisen,...

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