Mayrhofen Magazin

Erich Kästner – ein Autor, der seine zweite Heimat in Mayrhofen fand

Kästner in Mayrhofen

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!“ – Dieses Zitat des Schriftstellers Erich Kästner ist sicher vielen bekannt. Auch Kästner wusste bereits in den 40er Jahren, wo man seine Auszeit verbringen sollte – in Mayrhofen im Zillertal!

Kästner in Mayrhofen

Erich Kästner hat trotz der schweren Zeiten im 2. Weltkrieg seine Fröhlichkeit nicht verloren Bild: Archiv Erich Kästner

Vielen wird so manches Kinderbuch und auch dessen Verfilmungen in bester Erinnerung sein, in dem das Gute über das Böse siegt, etwa in „Emil und die Detektive“, der Geschichte des kleinen Emil, der im Zug bestohlen wird und mit Hilfe seiner Freunde den Dieb, und wie sich später herausstellt, den gefährlichen Bankräuber dingfest macht. „Pünktchen und Anton“, „Das fliegende Klassenzimmer“ sowie „Das doppelte Lottchen“ den Welterfolgen der Kinderbuchliteratur. Kästners Romane (z.B. „Fabian“), seine Gedichtbände (z.B. „Dr. Kästners lyrische Hausapotheke), Drehbücher und Publikationen in großen Zeitungen machten ihn zum beliebtesten Autor seiner Zeit in Deutschland. Auch im Ausland traten seine Bücher einen wahren Siegesauszug an.

Bücher von Kästner auf dem Scheiterhaufen

Wenige Tage nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten war alles anders. Der weltbekannte Autor wurde von den neuen Machthabern als „Zersetzungsliterat“ und „Dichter des Verfalls“ eingestuft. Am 10. Mai 1933 loderten in Berlin und in anderen deutschen Städten auf Befehl des Propagandaministers Joseph Göbbels die Scheiterhaufen. Kästner musste mitansehen, wie unter den Feuersprüchen von Studenten in SA-Unifom „Gegen Dekadenz und moralischen Zerfall“ seine Bücher und Schriften anderer missliebiger Autoren ein Raub der Flammen wurden. Schließlich wurde über Kästner ein Schreib- und Publikationsverbot gehängt, Bibliotheken und Buchhandlungen wurden von seinen Büchern „gesäubert“. Nur im Ausland hielt man ihm die Treue.

Erich Kästner in Mayrhofen

Im Gasthaus Waldcafe fand der Schriftsteller seinen Lieblingsplatz
Bild: Waldcafe Mayrhofen

Kästners Aufenthalt an der Schwelle vom Krieg zum Frieden

Im Jahr 1945, als Berlin bereits von den Russen und Amerikanern umlagert wurde, kam Kästner die Freundschaft der Filmleute von der UFA-Filmkunst, bei der auch seine Lebensgefährtin Luiselotte Enderle arbeitete, zugute. Der Herstellungsleiter der UFA besorgte Kästner die für die Ausreise von Berlin nach Mayrhofen nötigen Papiere, wo er als „Drehbuchautor“ für einen Film unerlässlich sei. In Wirklichkeit ging es dem Filmteam mit Kästner als „U-Boot“ ums Überleben an einem möglichst sicheren Ort.

Kästners Domizil, die Pension Steiner in Mayrhofen

Kästner in Mayrhofen

Pension Steiner, der Aufenthaltsort von Dr. Erich Kästner

„Wir wohn en bei Steiners, sehr freundlichen Leuten. Er hält Vieh. Sie ist die Hebamme des Ortes. Viktoria, die Tochter, hilft im Haus. Ein Sohn ist gefallen. Viktl, wie Viktoria gerufen wird, vergisst ihren Kummer zuweilen. Denn ihr Bräutigam ist verwundet, liegt in einem Heimlazarett und kommt als Krieger nicht mehr in Betracht“. So beginnen Kästners Aufzeichnungen („Notabende 45“) in Mayrhofen am 22. März 1945 und endeten mit dem 5. Juli desselben Jahres. In diesem literarischen Dokument hat der Autor viele persönliche Eindrücke zu Papier gebracht, z.B. seine abenteuerliche Reise von Berlin nach Mayrhofen. Er berichtete auch über den Rückzug der deutschen Soldaten aus der Südarmee, die scharenweise über die Jöcher nach Mayrhofen kommen, von den ausgebombten Flüchtlingen und der schlechten Versorgungslage in Mayrhofen.

Nach seinem Aufenthalt in Mayrhofen ließ sich Kästner in München nieder und wirkte dort bis zu seinem Tode im Jahr 1974 als Buchautor und Journalist.

Dieser Beitrag ist im Jahr 2005 in der Zillertaler Heimatstimme in ausführlicher Form ersterschienen und wurde von Dir. Hugo Stöckl geschrieben.

Elisabeth Kröll
Gast Autor: Elisabeth Kröll
Biographie: Als eine waschechte Mayrhofnerin kann ich mich ruhigen Gewissens bezeichnen, denn ich bin in Mayrhofen im Zillertal geboren und aufgewachsen und bin meiner Heimat bis auf ein paar Ausnahmen immer treu geblieben. Es zieht mich eben immer an die schönsten Plätze dieser Welt und da ist Mayrhofen auf Platz 1. Durch meine Leidenschaft, den Umgang mit Menschen aus allen Himmelsrichtungen dieser Erde, meine EN Weltoffenheit und meine fröhliche Art war es die natürlichste Sache der Welt, dass ich mein berufliches Leben dem Tourismus widme. In meiner bescheidenen Freizeit liebe ich es, inmitten der Zillertaler Bergwelt durch die Gegend zu kraxeln, im Winter erobere ich freilich die traumhaften Pisten bei uns und genieße die Kultur in jeglicher Hinsicht im Zillertal. Ich hoffe, dass euch meine Storys gefallen, eure Neugier auf die Region Mayrhofen-Hippach wächst und ihr fleißig meine Blogbeiträge liked, teilt und kommentiert! Eure Elisabeth
Land: Österreich
Was mag ich: meine Heimat, Musik, Bergsteigen, Klettern, Kunst, Skifahren, Reisen,...

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