Mayrhofen Magazin

Fischen im Zillertal: Der langweiligste Sport der Welt?

Ich gebe es zu. Meine Vorurteile sind beträchtlich. Ich halte das Fischen womöglich für den langweiligsten Sport der Welt. Sofern man es denn überhaupt Sport nennen kann. Noch dazu ist das Zillertal ein Fleckchen Erde, den ich so gar nicht ausstehen kann. Kommen das Fischen und das Zillertal zusammen, dann ist das für mich die Hölle auf Erden.

Aber oftmals muss man sich der eigenen Hölle stellen. Ein Freund riet mir jedenfalls, mich in Mayrhofen doch mit jemanden zu treffen. Der würde sich auskennen. Kenne die guten Plätzchen. Würde mir zeigen, dass das Fischen und Fliegenfischen genau meine Sache sei. Ich solle mal nicht so tun und nicht so intolerant und borniert sein. Er sei sich sicher, dass ich das Fischen im Zillertal lieben würde.

Gesagt, getan. Ein paar Tage später in Mayrhofen. Bald steht ein großer Mann vor mir. In etwa so stelle ich mir den typischen Zillertal vor. Markig, groß gewachsen, direkt in seiner Ansprache. Das „Du“ sei normal hier im Zillertal. So sprach er. Ich akzeptierte das „Du“ freudig und fühlte mich sogleich einheimischer. Fast schon wie ein waschechter Zillertaler.

„Kennsch di mit fischen aus“ sprach er. „Nein“, antwortete ich. „Aber ich bin da um klüger zu werden“. Was mein Gegenüber wiederum dazu veranlasste, in einen kleinen Monolog zu verfallen. Seine Sprache war stark dialektal gefärbt. Aber man merkte, dass er sich Mühe gab ein wenig so zu sprechen, dass ich ihm gut folgen konnte.

Fischen im Zillertal: Das müsst ihr wissen bevor ihr loslegt!

In diesen Minuten lernte ich, dass es beim Thema Fischen im Zillertal vornehmlich um das Fischen von Forellen geht. Es gäbe zwar auch Äschen, aber die seien eindeutig in der Unterzahl. In den letzten Jahren sei das Fliegenfischen außerdem ein großes Thema geworden. Der Alpenraum würde sich einfach hervorragend dazu eignen.

Na gut. Überzeugt. Es ist doch schön im Zillertal. (Bild: Markus)

Na gut. Überzeugt. Es ist doch schön im Zillertal. (Bild: Markus)

Dabei ist es übrigens gar nicht so leicht, eine Lizenz zum Fischen im Zillertal zu bekommen. Einfach mal so loslegen und drauflos fischen ist nicht. Etwa 90 % der Teiche und Gewässer sind nämlich bei der Hotellerie und bei Gasthäusern zu finden und fest in deren Hand. Übernachtet man dort nicht oder fragt dort nicht direkt an, ist es mit der Lizenz eher schlecht bestellt.

Klarerweise finden sich aber auch Bergbäche. Mehr oder weniger naturbelassen. Wunderschön jedenfalls. „Willsch dann auffi fahren“? fragte mich mein Gesprächspartner. „Klar, aber sicher“, antwortete ich. Ich war bereit von der Theorie in die Praxis überzugehen.

Vorher galt es aber noch ein paar Dinge zu wissen und zu klären. Am besten wäre es überhaupt, wenn man beim Tourismusverband direkt anfragen würde. Damit man in Sachen Fischen im Zillertal nur ja nichts falsch mache. Die wissen, wer wo fischen darf und wem was gehört.

Jetzt stellte ich eine häretische Frage: „Was ist eigentlich überhaupt Fliegenfischen“? Die Antwort kam prompt. Es sei nichts anderes als mit einer Kunstfliege zu versuchen eine Forelle zu fangen. Das leuchtete mir ein. Besonders interessant fand ich aus Ausführungen, dass seiner Meinung nach Fliegenfischer Individualisten seien. Die Fliegen würden nämlich nicht gekauft, sondern gerne und vorrangig selbst gebunden. Wie genau das funktioniert fand ich nicht heraus. Aber ich war fasziniert, zumal auch mir die Individualität nicht fern lag. Als ich außerdem noch hörte, dass es vor allem Franzosen waren, die hier mit Fliegenfischen angefangen haben, war es um mich als frankophilen Menschen natürlich ganz und gar geschehen. Dass sich beim Fliegenfischen auch noch die unbeabsichtigte Fischverletzung sehr verringerte war noch eine nette Draufgabe.

Wer würde bei einem solchen Anblick nicht schwach werden? (Bild: Markus)

Wer würde bei einem solchen Anblick nicht schwach werden? (Bild: Markus)

Jetzt musste ich hinauf. Mein Gesprächspartner musste mir einen der schönsten Orte zum Fliegenfischen überhaupt zeigen. Er brachte mich zum Zillergrund. Dort fiel es mir, wie passend, wie Schuppen von den Augen. Was für ein wunderbarer Ort! Hier wollte ich sein, bleiben, fischen und ganz einfach diese unfassbare Ruhe und Schönheit genießen…

Na gut. Ihr habt mich durchschaut. So negativ bin ich natürlich von Anfang an dem Zillertal und dem Fischen im Zillertal nicht gegenüber gestanden. Ich habe von Haus aus einen Hang zu eher leisen und ruhigen Sportarten. Ein Extremsportler bin ich nicht und werde ich wohl auch nicht mehr werden. Und das Zillertal ist schon eine außergewöhnlich schöne Region. Mit Schönheit und herrlichen Landschaften musste man mich generell nicht lange bitten.

Ich hoffe ihr verzeiht mir also meine drastischen Mittel. Aber ich wollte ein bisschen Aufmerksamkeit erzeugen. Schließlich sollt ihr auf dieses Thema regelrecht gestoßen werden. Weil es ganz einfach kaum eine schönere Freizeitaktivität gibt. Probiert es aus. Es ist der Himmel auf Erden! Wenn man dann auch noch die Forellen in der Hand hat und sich eine „Forelle Müllerin“ zubereitet, dann lässt sich dieser himmlische Zustand auch noch zuhause verlängern!

Summary
Article Name
Fischen im Zillertal
Description
Das Fischen im Zillertal ist angesagt. Vor allem das Fliegenfischen. Kein Wunder, dann es gibt kaum einen besseren und schöneren Ort um diesem Sport nachzugehen.
Author
Artikel Kategorie:
Sehenswertes · zillertal-tourdata
Tags:
·
Likes:
4

Kommentare

Kommentare

Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Pflichtfelder *