Mayrhofen Magazin

Komm mit und lass dir von der Hochzeit und vom typischen Hochzeitsessen meiner Großtante im Jahre 1928 erzählen……

Großeltern

Komm mit und lass dir von der Hochzeit und vom typischen Hochzeitsessen meiner Großtante  im Jahre 1928 erzählen:
Leider hatte ich nie die Möglichkeit, meine Großtante bzw. meinen Großonkel persönlich kennenzulernen. Beide sind bereits schon sehr früh verstorben. Dem glücklichen Umstand, dass meine Tante diesen Ehrentag in einer Niederschrift verewigt hat, ist es zu verdanken, dass ich euch jetzt einen kleinen Einblick über die Feierlichkeiten in früheren Jahren geben kann.

Hochzeit wie sie früher war….

Tante Aloisia und Onkel Vincenz haben, wie es schon damals üblich war, in der „Zillertaler Tracht“ geheiratet. Vor der Trauung begab sich die Braut, also meine Tante Aloisia in Begleitung ihrer Geschwister, ihrem Vater und ihren engsten Verwandten zum Dorfwirt, wo Vincenz mit seinen Leuten auf seine Gemahlin wartete.

Interessantes Detail: Die Brautmutter durfte damals übrigens nicht an den Hochzeitfeierlichkeiten teilnehmen! Warum, ist mir trotz intensiver Recherche nicht bekannt.

Der Einzug in die Pfarrkirche

Großmutter

Altmutter Anna © Pfeiffer

Die Geistlichkeit, der Herr Pfarrer kam persönlich um die Hochzeiter –  Hochzeitsgäste in die nahegelegene Kirche zu geleiten. Aloisia und Vincenz mussten voller Freude und Stolz gewesen sein, als sie auf ihren Weg zur Kirche durch das Spalier der Dorfbewohner marschierten. Voran der Bräutigam Vincenz mit der Geistlichkeit, dann die Braut Aloisia an der Seite des Herrn Kooperators. Hinter ihnen der Altvater und die Altmutter. Dies waren der Taufpate des Bräutigams (Altvater) und die Taufpatin der Braut (Altmutter), die heute wie damals als Zeugen zur Hochzeit geladen wurden. Danach kam der Dorfwirt mit dem Hochzeitslader, der im Vorfeld die Aufgabe hatte, die Hochzeitseinladungen an alle Gäste zu übermitteln. Zum Schluss kam dann noch das sogenannte „Brautvolk“, das waren die Verwandten des Brautpaares.  Für meine Tante wie sie schrieb, verlief die heilige Handlung in der Kirche sehr „weihevoll“. Sehr feierlich zelebriert die Geistlichkeit die Messe und das Sakrament der Eheschließung. Nach dem ganzen kirchlichen Zeremoniell durfte das leibliche Wohl natürlich nicht zu kurz kommen.

Hochzeitsessen – „Die Morgensuppe“

Die ganze Gesellschaft ging anschließend zum Wirt. Nachdem die Hochzeitsgesellschaft angekommen war, nahm die Kellnerin nach altem Brauch, der Braut den Myrtenkranz aus dem Haar und drückte ihr den schmucken Zillertaler Hut aufs Haupt. So steht es geschrieben. Anschließend wurde dann die sogenannte „Morgensuppe“ begonnen.

Das Hochzeitsmenü

Laut meiner Großtante und meinem Großonkel bestand die sogenannte „Morgensuppe“ aus:

  • Vorspeise:
    Nudelsuppe mit Würstel
  • Hauptspeise:
    Rindsbraten mit Kartoffeln
  • Nachspeise:
    Kaiserschmarren mit Kaffee
  • Kassian mein Urgroßonkel

    Urgroßonkel Kassian beim Fotografen © Pfeiffer

    Gemeinsam mit dem Brautvolk ging es nach dem Essen frisch gestärkt zum Fotografen. Dort wurde das Hochzeitsbild aufgenommen.  Anschließend wurde alles in einem Autobus verladen und die gemeinsame Ausfahrt konnte beginnen. „Unter mancherlei Lustbarkeiten“, schrieb meine Tante, „verging der Tag im Fluge“.

    Hochzeitsfeier

    Die eigentliche Hochzeitsfeier fing erst am Abend an. Die Hochzeitsgesellschaft und weitere geladene Gäste meiner Tante und meines Onkels kamen zurück zum Wirt.
    Jetzt wurde wieder reichlich aufgetischt und das „Mahlal“ (Festessen) wurde serviert.
    Nach dem Essen wurde gemeinsam bis 1:00 Uhr nachts gesungen, getanzt und gelacht.

     

     

    Brautentführung

    Bis Mitternacht musste der Brautführer meiner Tante sehr auf der Hut sein.
    Denn wurde ihm die Braut gestohlen, kam ihm das sehr teuer zu stehen. Er musste dann für dieses „Hallodri“ eine Mords-Zeche bezahlen.
    Bei den Hochzeiten war es auch zu dieser Zeit ein Brauch, im Laufe der Nacht allen Gasthäusern im Ort einen Besuch abzustatten. So konnten auch andere Wirte an diesem Tag Geld verdienen. Laut meiner Tante wurde auch damals bereits der Spruch „iwach gassl gian“ verwendet.

    Anmerkung: Den Brauch gibt es bis heute

    Das „Weisen“

    Großtante & Großonkel

    Großtante & Großonkel bei Ihrer Hochzeit im Jahre 1930
    © Pfeiffer

    Nach dem Tanzen begann gegen 1:00 Uhr Nachts das „Weisen“ (waisn). Dem Brautpaar wurde gratuliert und es wurde Bargeld übergeben. Dazu hatte der Hochzeitslader eine Schüssel vor sich stehen, die er mit einem weißen Tuch abgedeckt hatte. Nun gingen alle Gäste der Reihe nach vorbei und legten einen Geldbetrag in die Schüssel. Der Hochzeitslader verkündete nun laut den Namen des Spenders und die Höhe des Geldbetrages. Der Wirt schrieb alle Namen und den jeweiligen Betrag in eine Liste ein. Das hatte folgenden Sinn: Heiratet einer von den Spendern und der heutige Bräutigam wird zur Hochzeit geladen, so ist es für ihn Ehrensache, zumindest den gleich hohen Betrag zu „weisen“.
    Bei dieser Gelegenheit, hatte das junge Brautpaar einen Becher Glühwein vor sich stehen.
    Davon wurde jedem Spender ein Trunk gereicht und die frisch vermählten Eheleute bedankten sich mit einem Handschlag für die Spende.
    Nach diesem offiziellen Teil wurde dann noch einmal gespeist und bis in der Früh gesungen und getanzt.
    Man kann sagen, auch unsere Vorfahren wussten, wie man Feste feiert.

     

    Hinweis: Weisen gibt es noch heute in ähnlicher Form
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    Leider hatte ich nie die Möglichkeit, meine Großtante bzw. meinen Großonkel persönlich kennenzulernen. Beide sind bereits schon sehr früh verstorben. Dem glücklichen Umstand, dass meine Tante diesen Ehrentag in einer Niederschrift verewigt hat, ist es zu verdanken, dass ich euch jetzt einen kleinen Einblick über die Feierlichkeiten in früheren Jahren geben kann.
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