Mayrhofen Magazin

Christtag 1944 in Mayrhofen

Familie Kröll beim Hl. Antonius am Gasthaus Zimmereben

Es ist schon berührend, wenn Menschen, die sich noch an die schlimmen Zeiten des zweiten Weltkrieges erinnern, erzählen, wie gerade das Weihnachtsfest, das Fest der Liebe und des Friedens, zelebriert wurde. Auch wir sind derzeit in einer politisch angespannten Situation und Grausamkeiten auf der gesamten Welt sind keine Seltenheit mehr. Doch leben wir hier in Mitteleuropa, genauer im österreichischen Tirol in einem sogenannten „heiligen Land“, wo Terrorismus und Attentate nichts verloren haben. Mein Vater möchte noch eine wahre Begebenheit vom Weihnachtsfest, genauer vom Christtag im Jahre 1944, erzählen.

Christtag 1944

Weihnachtskrippe aus Tirol

Weihnachtskrippe aus Tirol

Es war am Christtag im Jahre 1944 am Nachmittag. Bruder Martin und ich waren gerade in unserer Christkindlkammer beim Christbaum und naschten ein paar Kekse, die liebevoll an den Ästen hingen und geradezu darauf warteten, von uns Kindern gegessen zu werden. Wir kicherten ganz verschmitzt, denn unsere acht Geschwister wussten nicht, dass wir gerade den Christbaum „entlausten“. Auf einmal hörten wir einen gewaltigen Knall, die Fenster der Christkindlkammer wurden aufgerissen und die kleinen Glöckchen, die den Christbaum verschönerten, klingelten ganz fein. Angst überkam und und wir rannten die Treppe hinunter, so schnell wir nur konnten. Durch die Küche – hinein in die Stube, wo sich der Rest der Familie aufhielt. Wir hielten inne und staunten. Wir sahen uns an und konnten das Lachen nicht verkneifen – zu seltsam sah dieses Bild aus, denn alle, die in der Stube waren, lagen auf dem Boden und zwar auf dem Bauch.

Warum, Weshalb, Wieso:

Später haben wir dann alles erfahren – warum, weshalb, wieso.
Warum: Eine Bombe ist unterhalb des Gasthauses Zimmereben abgeworfen worden.
Weshalb: Das Flugzeug musste die Bombe abwerfen, weil es angeschossen wurde und im vorderen Zillertal notlanden musste.
Wieso: Bei hohem Druck muss man sich schützen, indem man sich auf den Boden wirft, mit dem Bauch nach unten.

Christbaum am Josef-Riedel-Platz in Mayrhofen

Christbaum am Josef-Riedel-Platz in Mayrhofen

Der Heilige Antonius

Eine Statue des Hl. Antonius, der vor dem Gasthaus Zimmereben steht, hat unser Gasthaus beschützt. Die Lilie, die der Hl. Antonius in der Hand hält, ist nur ein wenig nach unten gerutscht, sonst war alles unversehrt geblieben. Wenn ich aber bedenke, dass rechts des Zillers auf den Feldern große Steine lagen und bei der ehemaligen Tischlerei Krainz im Dachboden auch noch Steine zu finden waren, dann kann man erahnen, wie der Heilige Antonius seine schützende Hand über Zimmereben gehalten hat.

Das Ende

Eine weitere Bombe fiel noch am Hauserer Berg, sonst wurden wir Gott sei Dank von den Wirren des zweiten Weltkrieges, der 1945 zu Ende ging, verschont. Seither haben wir Frieden in unserem Land und wir danken dafür den himmlischen Mächten.

Gastautor OSR Dir. Josef Kröll

Josef-David und Ida-Elisabeth Kröll aus Mayrhofen

Josef-David und Ida-Elisabeth Kröll aus Mayrhofen

Mein Vater, Josef-David, wurde am 23.02.1936 als 8. von 10 Kindern geboren. Er wurde als einziger in der Familie auserkoren, in eine weiterführende Schule zu gehen. Im zarten Alter von 10 Jahren verließ er seine Heimat Mayrhofen und besuchte das Gymnasium in Hall in Tirol. Von strengen Patern wurde er erzogen. Josef maturierte in Innsbruck im Gymnasium der Fallmerayer-Straße und absolvierte anschließend die Lehrerbildungsanstalt (heute pädagogische Akademie). Als Lehrer kam er zurück in seine Heimat, zuerst nach Hippach und anschließend nach Mayrhofen, wo er bis zu seiner Pensionierung unterrichtete. 25 Jahre lang leitete mein Vater die Hauptschule Mayrhofen. Seiner Frau Ida-Elisabeth und seinen fünf Kindern war und ist er ein liebevoller Partner und der beste Vater, den man sich wünschen kann.

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Christtag 1944 in Mayrhofen
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Es ist schon berührend, wenn Menschen, die sich noch an die schlimmen Zeiten des zweiten Weltkrieges erinnern, erzählen, wie gerade das Weihnachtsfest, das Fest der Liebe und des Friedens, zelebriert wurde.
Author
Elisabeth Kröll
Gast Autor: Elisabeth Kröll
Biographie: Als eine waschechte Mayrhofnerin kann ich mich ruhigen Gewissens bezeichnen, denn ich bin in Mayrhofen im Zillertal geboren und aufgewachsen und bin meiner Heimat bis auf ein paar Ausnahmen immer treu geblieben. Es zieht mich eben immer an die schönsten Plätze dieser Welt und da ist Mayrhofen auf Platz 1. Durch meine Leidenschaft, den Umgang mit Menschen aus allen Himmelsrichtungen dieser Erde, meine EN Weltoffenheit und meine fröhliche Art war es die natürlichste Sache der Welt, dass ich mein berufliches Leben dem Tourismus widme. In meiner bescheidenen Freizeit liebe ich es, inmitten der Zillertaler Bergwelt durch die Gegend zu kraxeln, im Winter erobere ich freilich die traumhaften Pisten bei uns und genieße die Kultur in jeglicher Hinsicht im Zillertal. Ich hoffe, dass euch meine Storys gefallen, eure Neugier auf die Region Mayrhofen-Hippach wächst und ihr fleißig meine Blogbeiträge liked, teilt und kommentiert! Eure Elisabeth
Land: Österreich
Was mag ich: meine Heimat, Musik, Bergsteigen, Klettern, Kunst, Skifahren, Reisen,...
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Tradition · zillertal-tourdata
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