Mayrhofen Magazin

Die gute Seele der Burgschrofen Kapelle

Der Mesner der Burgschrofen Kapelle - Erwin Brunner

Die kleine Burgschrofen Kapelle erhebt sich ca. 1 km vor Mayrhofen auf einem kleinen Hügel. Es ist ein kurzer, netter Spaziergang und für jeden machbar. Am vergangenen Mittwoch habe ich mich aus der Arbeit gestohlen um ein bisschen den Kopf frei zu bekommen. Als ich am Fuß des kleinen Felsens ankomme, treffe ich Erwin Brunner, den Mesner der Burgschrofen Kapelle. Wir kommen ins Gespräch und er entführt mich in sein kleines Reich. 

Zu unserem gekreuzigten Heiland

Die Burgschrofen Kapelle trägt den Beinamen „Zu unserem gekreuzigten Heiland“ und wurde 1844/45 erbaut. Sie wurde aufgrund der Ereignisse rund um die Ausweisung der Zillertaler Protestanten als sichtbares Zeichen und als Mahnmal für den katholischen Glauben errichtet. Die Kreuzwegstationen wurden im Juli 1846 ergänzt. Diese Information hängt in der Burgschrofen Kapelle und stammt aus dem Schwendauer Dorfbuch. Die Kapelle gehört zur Gemeinde Hippach und somit auch zur Diözese Innsbruck.

2 Mal am Tag sorgt Erwin dafür, dass alles rund um die Burgschrofen Kapelle sauber ist

2 Mal am Tag sorgt Erwin dafür, dass alles rund um die Burgschrofen Kapelle sauber ist

Mehr als eine Kapelle

Der kleine Spaziergang mit Erwin veranlasst mich neugierig zu werden. Schnell wird klar, dass er seine Aufgabe als Mesner der Burgschrofen Kapelle sehr ernst nimmt. Mit Besen und Rechen bewaffnet, säubert er den Aufgang. Die Wiese rund um die Kapelle ist gemäht und mit unterschiedlichen Blumen bepflanzt. Das Gelände wirkt einladend. Das Wetter spielt aber leider nicht mit. An der Kapelle angekommen will ich schon hineingehen, als Erwin mir ein Zeichen gibt, ihm zu folgen. Was mich hier erwartet, hab ich nicht gedacht.

Das kleine Paradies

Hinter der Kapelle kommen ein schön gepflegter Garten mit vielen Sitzgelegenheiten und sogar ein Gartenhaus zum Vorschein. Erwin erzählt mir viel über seine unterschiedlichen Blumen und Gewächse, die er angepflanzt hat. Von Birnenquitte über Zierkastanien bis hin zu roten Rosen. Im kleinen Beet neben der Hütte pflanzt Erwin verschiedene Kräuter an, die er zur Erzeugung von Kräutersalz oder Tee benutzt. Er erzählt mir, dass er auch oft Besucher beobachtet, die sich für die Kräuter interessieren und neugierig daran riechen. Die Ruhe an seinem Rückzugsort ist ein Traum. Ich kann ihn verstehen, dass er sich hier ein kleines Paradies geschaffen hat. Viele seiner Freunde haben ihm dabei geholfen, aus dem verwilderten Teil hinter der Burgschrofen Kapelle ein kleines Paradies zu schaffen.

Mit Leib & Seele

Zwei Mal täglich geht er zu seiner Kapelle um alles in Ordnung zu halten. Die Kapelle muss auf- bzw. wieder zugesperrt werden, Kerzen angezündet und alles gepflegt werden. Bei seinen Erzählungen merke ich, wie sehr er seine Aufgabe mag. Der gebürtige Osttiroler ist seit 40 Jahren im Zillertal ansässig und seit 9 Jahren Mesner der Burgschrofen Kapelle. Bei den Gartenarbeiten und der Dekoration in der Kirche unterstützt ihn seine Frau. Früher haben die Bauern sich bei den Pflichten des Mesners jährlich abgewechselt und als das nicht mehr so recht funktionierte, hat Erwin die Aufgabe übernommen. Das tut er mit Leib & Seele.

Unverhofft kommt oft

Wir unterhalten uns einige Zeit und sprechen über dies und jenes. Es hat mittlerweile zu regnen aufgehört, doch es ist bitterkalt. Ganz ungewöhnlich für Ende Mai. Doch Erwin hat die perfekte Lösung gegen die Kälte. Er öffnet die Tür zu seinem Häuschen und kommt mit einer Flasche Johannisbeerlikör wieder heraus. Ich muss sofort lachen, er schenkt uns beiden ein Stamperl ein und wir stoßen an. Als ich einen Blick hinter die Tür werfe, bin ich erstaunt. Mit vielem habe ich gerechnet, aber nicht mit einem so organisierten Mesner. Neben seinen Werkzeugen hat er die Hütte auch mit Kühlschrank, Wasserkocher, Kaffeemaschine, kleinem Herd und Geschirr ausgestattet. Viele Bücher über Kräuter hat er auch in seinem Schrank. Für jede Gelegenheit gerüstet also.

Taufen, Hochzeiten, Ausflüge, Andachten

Als wir uns mit dem Schnaps gewärmt haben, gehen wir in Richtung Kapelle. Erwin erzählt mir über die Hochzeiten und Taufen, die in der romantischen Kapelle stattfinden. Auch an diesem Samstag gibt sich ein Paar das Jawort. Die Maiandachten übernimmt Erwin selbst. Als wir in der Kapelle sind, zeigt er mir stolz sein Buch. Hier hat er liebevoll alle Taufen und Hochzeiten, sowie Besuche von Gruppen und Bischöfen notiert. Die Burgschrofen Kapelle wirkt von außen kleiner als sie eigentlich ist. Neben dem Altar geht eine Tür in die Gruft. Neugierig gehe ich die schmalen Steintreppen hinunter. Unten ist Jesus Christus aufgebahrt. Die Wände sind mit Bildern der einzelnen Kreuzwegstationen geschmückt. Die Bilder hat Erwin in der Kapelle unterm Dach gefunden und selbst restauriert.

Die Burgschrofen Kapelle bringt Geheimnisse zum Vorschein

Die 3 Löcher im Stein frieren auch im Winter nicht zu

Es wird mystisch

Als wir uns auf den Weg zurück machen, entdecke ich draußen einen Stein mit drei Löchern. Der Sage nach, ist der Teufel auf diesen Felsen gesprungen und wollte die Heilige Mutter Gottes verführen. Andererseits erzählt man sich, dass diese Löcher ca. 30 Meter weit in die Berg hinunter führen und durch die Wärme des Felsens bleiben die Löcher offen. Sogar im Winter ist es die einzige Stelle, die nicht zufriert.

Ein Besuch wert

Das Treffen mit Erwin war sehr lustig. Es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich auf ein nettes und lustiges Gespräch mit Erwin vorbeigeschaut habe. Er hat immer einen Witz parat. Für mich war dieser Besuch überraschend und spannend. Ich kann es jedem nur empfehlen, die Burgschrofen Kapelle zu besuchen.

Kleines Detail am Rande: Erwin Aschenwald und seine Uschi feierten ihre Silberhochzeit in der Burgschrofen Kapelle!
Summary
Name
Erwin Brunner
Job Title
Mesner
Company
Burgschrofen Kapelle
Burgstall,
Marion Pepeunig
Gast Autor: Marion Pepeunig
Biographie: DIE WAHRE LEBENSKUNST BESTEHT DARIN, IM ALLTÄGLICHEN DAS WUNDERBARE ZU SEHEN. (Pearl S. Buck) Als gebürtige Zillertalerin liebe ich dieses wundervolle Fleckchen Erde. Die beeindruckenden Berge und vielfältigen Möglichkeiten machen es mir möglich, immer wieder Neues zu entdecken. Wenn ich nicht in der Natur unterwegs bin, reise ich gerne und sehe mir auch andere schöne Teile der Welt an. Wobei ich immer wieder feststelle: Zu Hause ist es am Schönsten. Vor vielen Jahren hat der Tourismusverband mit dem Slogan „Wer sagt, dass im Paradies Palmen stehen müssen?“ geworben. Und der Spruch gilt heute immer noch. Ich werde mich bemühen, bei meinen Stories auf Tradition und Kulinarik einzugehen und ein paar Hintergrundgeschichten zu erzählen. Viel Spaß dabei!
Land: Austria
Was mag ich: sun, books, travelling

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